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Die langweilige Revolution
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Die Revolution von 1918 ist eines der entscheidenden Daten der deutschen Geschichte. Die Nazis legten extra ihre Pogromnacht auf den 9. November, um das Andenken an die Revolution zu schänden.
Nichts blieb so, wie es war: Der Kaiser -weg! In den Fabriken - Betriebsräte! Frauen - durften wählen! Man sollte meinen, das gäbe ein spannendes Buch. Aber nein, Sebastian Haffner schreibt mit einer Fülle von Details überwiegend aus der Perspektive der Regierenden. Das Gewitter aus der Sicht von Menschen, die im Trockenen sitzen.
Das hört sich dann so an: "Unterwegs war der alte Reichskanzler Graf Hertling ahnungslos auf dem Wege nach Spa, dem belgischen Kurort, der seit einiger Zeit das Große Hauptquartier beherbergte. Sein Sohn, der mit ihm reiste..." (S. 37), oder "Um fünf Uhr bestellte der Kaiser, der bei alledem abwesend gewesen war, die Oberstkommandierenden plötzlich zur Verabschiedung, wobei er dem General Groener den Händedruck verweigerte" (S. 93). oder "Die Reichsregierung konnte nun aus Stuttgart nach Berlin zurückkehren. Ihre erste Sorge war die Beendigung des Generalstreiks..." (231). Das ist kein Bericht von einer Revolution, das ist Geschichtsunterricht im alten Stil.
Es ändert wenig daran, dass Haffner sich ernsthaft bemüht, den Dingen auf den Grund zu gehen. Die Fakten mögen auch stimmen, bloß wen interessiert es, wem der Kaiser die Hand gegeben hat? Man vergleiche dieses Buch mit einem Bericht von jemandem, der dabei gewesen war wie Max Hoelz,. Oder mit Ein deutsches Geschichtsbuch: Steidl Taschenbücher, Nr.24, Wir Untertanen: BD 1. Da ist mehr Leben drin, und daraus kann man auch mehr lernen.
Eine Rezension von Oliver Völckers > Berlin, Germany
vom 27. März 2010 |