Parteien: DDP

DDP-Wahlplakat (© Bundesarchiv Plak 002-027-010 )

DDP

Die Deutsche Demokratische Partei (DDP) wurde 1918 gegründet und ging aus der linksliberalen Fortschrittlichen Volkspartei hervor. Eigentlich war nach der Novemberrevolution ein Zusammenswchluss aller liberalen Kräfte geplant, doch konnten rechtsliberale Kräfte um Gustav Stresemann nicht integriert werden. Die DDP bekannte sich uneingeschränkt zur Republik und vereinte eine ganze Reihe von Persönlichkeiten, die die neue Demokratie entscheidend prägten. Allerdings verlor die Partei ab 1920 massiv an Bedeutung, weil die Wähler zu den rechten Parteien abwanderten. Auch die 1930 erfolgte Umbenennung in Deutsche Staats-Partei konnte ihren Fall nicht verhindern.

Mehr Informationen auf Wikipedia

Eugen Schiffer

(© Bundesarchiv Bild 183-R72916)

1860-1954

  • Staatssekretär und Vizekanzler 1918/1919
  • Reichsjustizminister 1919/1921
  • führte eine umfassende Justizreform durch

Eugen Schiffer kam im November 1918 von der Nationalliberalen Partei des Kaiserreichs zur Deutschen Demokratischen Partei. Der Jurist war Reichstagsmitglied und hoher Verwaltungsbeamter im Justizwesen, ab Oktober 1918 leitender Staatssekretär im Reichsschatzamt. Diese Position behielt er auch nach der Novemberrevolution. Im Kabinett Scheidemann wurde er Vizekanzler und Finanzminister, in den Kabinetten Bauer (1919) und Wirth (1921) wirkte er als Justizminister. Auf seine Initiative hin wurde das Justizwesen reformiert - mit dem Ziel, die Verfahren einfacher und schneller zu machen. Schiffer galt als eine der Schlüsselfiguren bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches. 1924 trat er aus der DDP aus und arbeitete wieder als Rechtsanwalt. Nach 1945 beteiligte er sich am Aufbau der LDP in der Sowjetischen Besatzungszone, floh aber letztlich 1950 in die Bundesrepublik.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Friedrich Naumann

(© Bundesarchiv Bild 183-2010-0823-500)

1860-1919

  • Gründer des National-Sozialen Vereins
  • Führender Kopf des Linksliberalismus
  • Gründungsvorsitzender der DDP

Friedrich Naumann vertrat einen sozialen Liberalismus und propagierte das Bündnis mit den Sozialdemokraten, um ein Gegengewicht zu den konservativ-agrarischen Kräften zu schaffen. Zunächst engagierte er sich im von ihm gegründeten National-Sozialen Verein, später dann bei der Vereinigung der linksliberalen Kräfte in der Fortschrittlichen Volkspartei. Im Ersten Weltkrieg trat er für Annexionen ein und stellte sich unkritisch zum Völkermord an den Armeniern. Sein Buch "Mitteleuropa" war die meistgelesene Schrift über die deutschen Kriegsziele, die jedoch weit entrückt war von der Realität. In der Novemberrevolution unterstützte er die "Antibolschewistische Liga" finanziell, distanzierte sich jedoch, nachdem sie sich weit rechts außen positionierte. Er wurde Gründungsvorsitzender der DDP und nahm an den Verfassungsberatungen in Weimar teil.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Wilhelm Külz

(© Bundesarchiv Bild 183-S74832)

1875-1948

  • 1926 Reichsinnenminister
  • 1931 Oberbürgermeister Dresdens
  • nach 1945 Vorsitzender der LDP

Wilhelm Külz war vor dem Ersten Weltkrieg kommunalpolitisch aktiv. Er sympathisierte zunächst mit der Nationalliberalen Partei, trat aber 1918 der DDP bei. Er wurde Mitglied der Nationalversammlung und 1922 bis 1932 des Reichstages. Von Januar bis Dezember 1926 war er Reichsinnenminister im Kabinett Luther. 1931 wurde er zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt, verlor dieses Amt jedoch im März 1933, als er sich weigerte, auf dem Rathaus die Hakenkreuzflagge zu hissen. Bis zum Kriegsende arbeitete er als Rechtsanwalt und hielt Kontakt zu Widerstandskreisen. 1945 gehörte er zu den Mitbegründern der LDP in der Sowjetischen Besatzungszone und wurde deren Vorsitzender.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Walther Rathenau

(© Bundesarchiv Bild 183-L40010)

1867-1922

  • Aufsichtsratschef der AEG
  • Reichsaußenminister im Kabinett Wirth
  • 1922 von Rechtsextremen ermordet

Walther Rathenau wuchs in einer jüdischen Unternehmerfamilie auf. Sein Vater war Gründer der AEG. Walther Rathenau trat in diese Fußstapfen und wurde zu einem der führenden Unternehmer Deutschlands mit rund 50 Aufsichtsratsmandaten. Seine Kenntnisse stellte er im Ersten Weltkrieg der deutschen Regierung zur Verfügung, etwa bei der Rohstoffbeschaffung. Er vertrat zunehmend expansionistische Kriegsziele und war 1918 gegen einen Waffenstillstand. Nur mit Mühe konnte er sich auf die Nachkriegszeit einstellen. Er wurde Mitglied der DDP und 1921 Wiederaufbauminister. Anfang 1922 wurde er wegen seines Verhandlungsgeschicks und seines internationalen Ansehens Reichsaußenminister. Zwar gelang ihm kein Erfolg in der Reparationsfrage, aber er schloss mit Sowjetrussland den Vertrag von Rapallo ab, was Deutschlands Isolation durchbrach. Dennoch wurde er als Jude und "Erfüllungspolitiker" stark angefeindet und schließlich im Juni 1922 auf offener Straße ermordet.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Gertrud Bäumer

(© Bundesarchiv Bild 146-1975-068-26A)

1873-1954

  • Engagierte Frauenrechtlerin
  • stellvertretende DDP-Vorsitzende
  • Ministerialrätin und Delegierte beim Völkerbund

Gertrud Bäumer studierte an der Berliner Universität und kam dort in Kontakt mit der berühmten Frauenrechtlerin Helene Lange, die für sie ein Vorbild wurde. So setzte sie sich engagiert für einen besseren Bildungszugang für Frauen ein. 1918 wurde sie Mitglied der DDP, zog in die Nationalversammlung ein und war 1920 bis 1932 Mitglied des Reichstages. 1920 wurde sie zur Ministerialrätin im Reichsinnenministerium berufen, 1926 bis 1933 war sie Delegierte beim Völkerbund in Genf. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten verlor sie alle Ämter und wurde Schriftstellerin. Nach 1945 wirkte sie bei der Gründung der CSU in Bayern mit.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Bernhard Dernburg

(© Bundesarchiv Bild 102-12088-1)

1865-1937

  • Erfahrener Bankier und Wirtschaftsfachmann
  • 1907 Staatssekretär im Reichskolonialamt
  • 1919 Reichsfinanzminister und Vizekanzler

Bernhard Dernburg arbeitete bei der Deutschen Bank, der Deutschen Treuhandgesellschaft und der Darmstädter Bank für Gewerbe und Industrie. Er hatte den Ruf eines Sanierers und organisierte in verschiedenen Branchen Strukturveränderungen. Dabei nutzte er seine engen Kontakte nach Amerika. 1906 wurde er preußischer Bevollmächtigter beim Bundesrat, ein Jahr darauf Staatssekretär im Reichskolonialamt. Er leitete eine Wende in der deutschen Kolonialpolitik ein, indem er sie stärker als Wirtschaftsförderung einsetzte. Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er zu den Mitbegründern der DDP, im Kabinett Scheidemann versah er das Amt des Reichsfinanzministers und des Vizekanzlers. Von 1920 bis 1930 gehörte er dem Reichstag an.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Hermann Dietrich

(© Bundesarchiv Bild 146III-074-1)

1879-1954

  • 1918-1920 badischer Minister des Äußeren
  • Ernährungsminister und Reichsfinanzminister
  • 1930 Vorsitzender der Deutschen Staatspartei

Der Jurist Hermann Dietrich stammte aus der Nationalliberalen Partei, gehörte aber 1918 zu den Mitbegründern der DDP, deren unbestrittene Führungsfigur im Land Baden er wurde. Er war Mitglied der Nationalversammlung und 1920 bis 1933 des Reichstages. Zwischen 1928 und 1932 wirkte er in mehreren Reichskabinetten, zunächst als Ernährungsminister und dann unter Brüning als Finanzminister. Dabei hatte er die Deflationspolitik zu vertreten, was ihm viel innerparteiliche Kritik einbrachte. 1930 wurde er nach der Fusion der DDP mit dem Jungdeutschen Orden zum Vorsitzenden der Deutschen Staatspartei gewählt. Obwohl er ursprünglich dagegen war, stimmte er 1933 für das Ermächtigungsgesetz, um seine Parteimitglieder im Staatsdienst zu schützen. Nach 1945 wirkte er beim Aufbau der FDP in Baden-Württemberg mit.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Hjalmar Schacht

(© Bundesarchiv Bild 102-12733)

1877-1970

  • Bankier
  • Mitbegründer der DDP
  • Reichsbankpräsident 1923-1930 und 1933-1939

Schacht wurde als Sohn eines Kaufmannes geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften. Noch im Kaiserreich stieg er zum Direktor der Dresdener Bank auf und wechselte anschließend zur privaten Nationalbank für Deutschland, wo er ebenfalls den Posten des Direktors innehatte. Im November 1918 war er ein Mitbegründer der linksliberalen DDP. 1922 wurde er Direktor der durch Fusion entstandenen Danat-Bank. Während der Hyperinflation wurde er 1923 von der Regierung Stresemann erst zum Währungskommissar und anschließend zum Reichsbankpräsidenten ernannt. In diesen Funktionen gelang es ihm die Inflation zu überwinden. Als Gesandter Deutschlands nahm er 1924 an den Verhandlungen zum Dawes-Pan teil. Ab Mitte der zwanziger Jahre tendierte Schacht immer mehr zu den rechten Parteien und trat 1926 aus der DDP aus. 1929 nahm er erneut an Verhandlungen zur Regelung der Reparationszahlungen teil. Im Anschluss daran sprach er sich gegen die Bestimmungen und die Annahme des Young-Planes aus. Als der Vertrag im Reichstag schließlich doch angenommen wurde, trat Schacht vom Amt des Reichsbankpräsidenten 1930 zurück. In der Endphase der Weimarer Republik trat er der rechtsradikalen Harzburger Front bei, unterstützte die Regierungsabsichten Hitlers und knüpfte Kontakte zwischen der Industrie, der NSDAP und Hindenburg. Unter Hitler wurde Schacht 1933 erneut zum Reichsbankpräsidenten und 1934 zum Wirtschaftsminister ernannt.

zum Lebenslauf auf Wikipedia

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
[Ebert/Wienecke-JanzEbert, Johannes/Wienecke-Janz, Detlef, Die Chronik. Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute, Gütersloh/München 2006.
[EK]Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1993.
[EtzoldEtzold, Hans-Rüdiger, Der Käfer II. Die Käfer-Entwicklung von 1934 bis 1982 vom Urmodell zum Weltmeister, Stuttgart 1989.
[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
[GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
[Kessler Tgbb]Harry Graf Kessler. Tagebücher 1918-1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt a. M und Leipzig 1996.
[KittelKittel, Erich, Novembersturz 1918. Bemerkungen zu einer vergleichenden Revolutionsgeschichte der deutschen Länder, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 104 (1968), S. 42-108.
[KolbKolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, 7. durchges. und erw. Aufl., München 2010.
[NiedhartNiedhart, Gottfried, Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. aktualisierte Aufl., München 2010.
[O/S]Manfred Overesch/ Friedrich Wilhelm Saal: Die Weimarer Republik. Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur, Düsseldorf 1992.
[Overesch/SaalOveresch, Manfred/Saal, Friedrich Wilhelm, Die Weimarer Republik, Eine Tageschronik der Politik, Wissenschaft Kultur, Augsburg 1992.
[PeukertPeukert, Detlef, Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt a.M. 1987.
[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
[PM]Paul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
[ThHB]Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
[TofahrnTofahrn, Klaus W., Chronologie des Dritten Reiches. Ereignisse, Personen, Begriffe, Darmstadt 2003.
[UB]Ursula Büttner: Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933. Leistungen und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, Stuttgart 2008.
[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)