November 1918

2. November

Die Revolutionären Obleute, der linke Flügel der USPD, planen für den 11. November einen Generalstreik.
[Overesch/Saal, S. 9]

3. November

Matrosenaufstand in Kiel

Waffenstillstand zwischen Österreich-Ungarn und den Alliierten.
[EK]

Beginn der Novemberrevolution mit dem Matrosenaufstand in Kiel aus Protest gegen die drohende Bestrafung der Meuterer vom 28.10.
[UB]

4. November

Dem Matrosenaufstand schließen sich nun auch Werftarbeiter an. Am 4.11. wird der erste Arbeiter- und Soldatenrat in Kiel gegründet. Der von der Regierung entsandte Gustav Noske wird zum Vorsitzenden des Arbeiter- und Soldatenrates gewählt. Die Soldaten strömten anschließend in die deutschen Großstädte und dehnten den Aufstand aus.
[Kittel, S. 50]

5. November

Das Deutsche Reich bricht seine diplomatischen Beziehungen zu Sowjetrussland ab und weist die russischen Diplomaten aus.
[Overesch/Saal, S. 9]

6. November

Die Bremische Bürgerschaft beschließt das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Männer. Frauen erhalten demnach kein Wahlrecht.
[Overesch/Saal, S. 9]

7. November

Revolution in Bayern

Revolution in München, Sturz der Monarchie und Proklamation des Freistaates Bayern mit einer Revolutionsregierung „Rat der Arbeiter, Soldaten und Bauern“ unter dem provisorischen Ministerpräsidenten Kurt Eisner (USPD).
[UB]

Gründung eines Arbeiter- und Soldatenrates am 7. November in Braunschweig. Am 8. November tritt der Herzog von Braunschweig als erster deutscher Fürst auf Druck einer solchen Delegation zurück.
[Kittel, S. 52]

8. November

Als Bevollmächtigter der deutschen Regierung und Leiter der Waffenstillstandskommission beginnt Matthias Erzberger die Verhandlungen zum Waffenstillstand im französischen Compiègne.
[Overesch/Saal, S. 9]

In Dresden und Leipzig werden Arbeiter- und Soldatenräte gegründet.
[Kittel, S. 53]

9. November

Ausrufung der Republik

Reichskanzler Prinz Max von Baden gibt die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. bekannt und betraut den SPD-Vorsitzenden Friedrich Ebert mit dem Amt des Reichskanzlers. Scheidemann ruft in Berlin vom Reichstag aus die Deutsche Republik aus, Karl Liebknecht (USPD/Spartakusbund kurz danach vom Berliner Schloss aus die „Freie Sozialistische Republik“).
[UB, AS]

Der Arbeiter- und Soldatenrat erklärt den nach Coburg abgereisten Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha für abgesetzt und beansprucht die Regierungsgewalt für sich.
[Kittel, S. 52]

Unter dem Eindruck von Demonstrationen und der Ausrufung der Republik in Württemberg flieht der König nach Bebenhausen und entbindet seine Beamtern am 16.11. vom Treueeid. Als letzter der deutschen Fürsten verkündet er am 30.11. offiziell seinen Rücktritt.
[Kittel, S. 53]

Nach langen Verhandlungen mit dem Arbeiter- und Soldatenrat unterzeichnet der Großherzog von Sachsen-Weimar und Eisenach die Thronverzichtsurkunde.
[Kittel, S.53]

10. November

Volksbeauftragte, November 1918

Bildung des „Rates der Volksbeauftragten“ als neuer Regierung mit Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Otto Landsberg von der SPD sowie Hugo Haase, Wilhelm Dittmann und Emil Barth von der USPD.
[VU, UB]

Übereinkunft zwischen Friedrich Ebert und Wilhelm Groener
[EK]

In Dresden wird die sächsische Republik ausgerufen. Der sächsische König ist bereits einen Tag zuvor aus Dresden geflohen.
[Kittel, S. 53]

Fürst Heinrich XXVII. von Reuß jüngerer Linie verzichtet auf Forderung des Arbeiter- und Soldatenrates auf den Thron. Trotz des Thronverzichts demonstriert die USPD in Greiz mit Unterstützung einer militärischen Sicherheitstruppe aus Gera gegen die Dynastie der Reußen und zwingt so auch die fürstliche Regierung am 11. November zum Rücktritt.
[Kittel, S. 53]

Der Herzog Bernhard III. von Sachsen-Meiningen erklärt auf Druck des Arbeiter- und Soldatenrates seinen Thronverzicht. Sein Sohn, Prinz Ernst, weigert sich jedoch zunächst seinerseits auf den Thron zu verzichten. Er erklärt seinen Thronverzicht erst am 12. November.
[Kittel, S. 53]

Von Wilhelmshaven, das nicht zum Großherzogtum Oldenburg gehörte, aus wird vom Einundzwanzigerrat die Republik Oldenburg-Ostfriesland ausgerufen. Am 11.11. vezichtet der Großherzog formal auf den Thron.
[Kittel, S.53-54]

Der SPD-geführte Arbeiter- und Soldatenrat stellt Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg am 9. November unter seinen Schutz. Am 10.11. proklamierte der Arbeiter- und Soldatenrat, dass er die Macht übernommen habe.
[Kittel, S. 54]

11. November

Matthias Erzberger

Matthias Erzberger (Zentrum) unterzeichnet nach dreitägiger Verhandlung in Compiègne einen vorläufigen Waffenstillstand mit der Entente.
[UB]

Wilhelm II. geht ins Exil in die Niederlande. Dort bleibt er bis zu seinem Tod 1941.
[Overesch/Saal, S. 10]

Auf einer Volksversammlung verkündet die SPD, dass der Arbeiter- und Soldatenrat in Coburg die Verwaltung übernommen hat und fordert den Rücktritt des Herzogs. Dieser flieht auf Schloss Callenberg. Am 14.11., auf der letzten gemeinsamen Sitzung des Lantags, verkündet der Staatsminister den Rücktritt des Herzogs. Zu einem offiziell verkündeten Thronverzicht des Herzogs kommt es nie.
[Kittel, S. 53]

Der Großherzog von Hessen-Darmstadt wird vom Arbeiter- uns Soldatenrat für abgesetzt erklärt. Der Herzog entbindet die Beamtenschaft erst am 18. März 1919 von ihrem Treueeid, erklärt aber nie formal seinen Rücktritt.
[Kittel, S. 54]

12. November

Der Rat der Volksbeauftragten verkündet sein sozialistisches Regierungsprogramm. Darin beschließt er unter anderem eine politische Amnestie, Wahlen für eine konstituierende Nationalversammlung, den Acht-Stunden-Tag, sowie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.
[Overesch/Saal, S. 10]

Deutsch-Österreich proklamiert den Anschluss an das Deutsche Reich
[EK]

Der Prinzregent des Herzogtums Anhalt unterzeichnet eine Verzichtserklärung auf den Thron. Der sogenannte "Staatsrat für Anhalt" übernimmt am 14.11. die Regierungsgewalt und erlässt am 15.11. ein neues Wahlgesetz.
[Kittel, S. 54]

Der Fürst zur Lippe verzichtet auf den Thron, nachdem der Volks- und Soldatenrat ihn ein Ultimatum gesetzt hatte.
[Kittel, S. 54]

13. November

Am 13.11. teilt der sächsische Minister dem Arbeiter- und Soldatenrat in Dresden den Thronverzicht des Königs mit. Einen formalen Thronverzicht gibt es aber nie.
[Kittel, S. 53]

Der Fürst von Waldeck-Pyrmont wird abgesetzt. Er wollte seinen Thronverzicht erst nach einer Volksabstimmung unterzeichnen.
[Kittel, S. 54]

Nach Verhandlungen zwischen dem Arbeiter- und Soldatenrat und dem de facto weiterregierenden Herzog Ernst II. von Sachsen-Altenburg, setzte dieser eine neue Regierung ein und verzichtete am 13.11. auf den Thron. Am 14.11. wurde der Thronverzicht offiziell bekannt gegeben.
[Kittel, S. 54]

14. November

Die Reichsämter werden teilweise neu besetzt. Vertreter der SPD, USPD und des Zentrums kommen als Unterstaatssekretäre in die Regierung. Eduard David (SPD) und Karl Kautsky (USPD) werden in das Auswärtige Amt, Eduard Bernstein (USPD) in das Reichsschatzamt, Paul Göhre (SPD) und Ernst Däumig (USPD) in das Kriegsministerium und Gustav Noske (SPD) in das Marineministerium berufen.
[Overesch/Saal, S. 11]

Der Großherzog von Baden verzichtet vorerst auf die Ausübung der Regierungsgewalt. Der Arbeiter- und Soldatenrat hatte zuvor die Gründung einer sozialistischen Republik Baden gefordert. Der formale Thronverzicht erfolgte am 22.11.
[Kittel, S. 54]

Am 14.11. erklärt der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin seinen Thronverzicht. Bereits am 9. November setzte er mit Zustimmung der Arbeiter- und Soldatenräten eine neue Regierung ein. Am 16.11. wird vom Ministerium verkündet, dass damit auch die Verweserschaft über Mecklenburg-Strelitz erloschen ist.
[Kittel, S. 54]

Der am 9. November im Fürstentum Schaumburg-Lippe gegründete Arbeiter- und Soldatenrat bestand aus Bürgerlichen und Vertretern des Bückeburger Jägerbatallions, die sich den revolutionären Bestrebungen nicht anschlossen. Dennoch trat der Fürst am 14. November freiwillig zurück, da die SPD im nahgelegenen Bielefeld andernfalls mit einem Eingriff von außen drohte.
[Kittel, S. 54]

15. November

Prof. Dr. Hugo Preuß wird zum Staatssekretär des Inneren ernannt.
[Overesch/Saal, S. 11]

Gründung der „Zentralarbeitsgemeinschaft“ zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
[VU]

17. November

Das Theater in Weimar

Das "Großherzogliche Hoftheater Weimar" wird in „Landestheater in Weimar“ umbenannt.
[PM]

20. November

DDP-Wahlplakat

Gründung der Deutschen Demokratischen Partei
[AS]

Hindenburg setzt die Reichsregierung per Telegramm davon in Kenntnis, dass die deutsche Armee nicht in der Lage wäre die Kämpfe fortzusetzen, falls es nicht zu einer Einigung mit den Westmächten kommen sollte.
[Overesch/Saal, S. 12]

21. November

Die Zentrumspartei benennt sich in Christliche Volkspartei um und gibt ein neues Programm heraus. Darin verschreibt sie sich dem Kampf gegen jegliche Klassenherrschaft.
[Overesch/Saal, S. 13]

23. November

Unter Beteiligung Gustav Stresemanns wird die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) gegründet.
[Overesch/Saal, S. 14]

Der Arbeiter- und Soldatenrat in Rudolstadt beansprucht die Regierungsgewalt am 10.11. für sich und forderte die Abdankung des Fürsten Günther von Schwarzburg-Rudolstadt. Nach Verhandlungen zwischen beiden Parteien, wurde die Verfassungsänderung von einer konstitutionellen Monarchie zu einem Freistaat im Landtag beraten und beschlosssen. Dies wurde vom Fürsten, zusammen mit seinem Thronverzicht am 23.11. verkündet.
[Kittel, S. 54]

24. November

DNVP-Wahlplakat

Gründung der Deutschnationalen Volkspartei
[AS]

25. November

Auf der Reichskonferenz der deutschen Republiken (Bundestaaten) in Berlin, wird der gemeinsame Beschluss gefasst an der Reichseinheit festzuhalten. Zudem sprechen sich die Delegierten für baldige Wahlen zur Nationalversammlung aus. Unter den Gesandten ist auch ein Vertreter Österreichs.
[Overesch/Saal, S. 14]

Seit dem 4. November wurde im Sondershausener Landtag über eine Reform des Wahlrechts und des Regierungssystems beraten. Ähnlich wie in Schwarzburg-Rudolstadt konnte sich auch hier der Landtag gegen den schwachen Arbeiter- und Soldatenrat durchsetzen. Am 19.11. wurde der Landesrat als Übergangsregierung geschaffen und die Verfassungsänderung zu einer republikanischen Staatsform beschlossen. Fürst Günther (der Schwarzburg-Rudolstadt und Schwarzburg-Sondershausen in Personalunion regierte) verkündete diesen Beschluss am 25.11. und dankte zugleich als regierender Fürst ab.
[Kittel, S. 54-55]

28. November

Kaiser Wilhelm II.

Kaiser Wilhelm II. dankt formell ab.
[VU]

30. November

Der Rat der Volksbeauftragten ordnet Neuwahlen zur verfassunggebenden Nationalversammlung an. Alle Männer (auch Soldaten) und Frauen über 20 Jahren haben das Recht, an den allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlen teilzunehmen.
[PK]

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
[Ebert/Wienecke-JanzEbert, Johannes/Wienecke-Janz, Detlef, Die Chronik. Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute, Gütersloh/München 2006.
[EK]Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1993.
[EtzoldEtzold, Hans-Rüdiger, Der Käfer II. Die Käfer-Entwicklung von 1934 bis 1982 vom Urmodell zum Weltmeister, Stuttgart 1989.
[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
[GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
[Kessler Tgbb]Harry Graf Kessler. Tagebücher 1918-1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt a. M und Leipzig 1996.
[KittelKittel, Erich, Novembersturz 1918. Bemerkungen zu einer vergleichenden Revolutionsgeschichte der deutschen Länder, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 104 (1968), S. 42-108.
[KolbKolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, 7. durchges. und erw. Aufl., München 2010.
[NiedhartNiedhart, Gottfried, Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. aktualisierte Aufl., München 2010.
[O/S]Manfred Overesch/ Friedrich Wilhelm Saal: Die Weimarer Republik. Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur, Düsseldorf 1992.
[Overesch/SaalOveresch, Manfred/Saal, Friedrich Wilhelm, Die Weimarer Republik, Eine Tageschronik der Politik, Wissenschaft Kultur, Augsburg 1992.
[PeukertPeukert, Detlef, Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt a.M. 1987.
[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
[PM]Paul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
[ThHB]Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
[TofahrnTofahrn, Klaus W., Chronologie des Dritten Reiches. Ereignisse, Personen, Begriffe, Darmstadt 2003.
[UB]Ursula Büttner: Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933. Leistungen und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, Stuttgart 2008.
[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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