Kapp-Lüttwitz-Putsch

SCHAUSPIELSZENEN
IN 18 DEUTSCHEN STÄDTEN

Vom 13. bis 15. März 2020, genau 100 Jahre später, erinnert der Weimarer Republik e.V. mit öffentlichen Schauspielszenen in 18 deutschen Städten an den Kapp-Lüttwitz-Putsch von 1920 – und vor allem daran, dass er von demokratischen Kräften abgewehrt werden konnte. Der Mut der Menschen damals, den nicht wenige mit ihrem Leben bezahlten, kann uns Vorbild dabei sein, auch unsere heutige Demokratie gegen Angriffe aller Art zu verteidigen.
Das Projekt wird gefördert vom Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und unterstützt von zahlreichen lokalen Partnern: Geschichtsvereinen, Museen, Bündnissen gegen Rechtsextremismus und Gliederungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Hier finden die Schauspielszenen statt:

Berlin Sa 14. März 11.00 Uhr Pariser Platz/ Brandenburger Tor
Dortmund Sa 14. März 15.00 Uhr Kamp-Straße am DSW21-Kundencenter
Dresden Sa 14. März 18.00 Uhr Postplatz
Essen Sa 14. März 18.00 Uhr Willy-Brandt-Platz
Frankfurt / Main Sa 14. März 10.30 Uhr Bahnhofsvorplatz
Gotha Fr 13. März 15.00 Uhr Bahnhofsvorplatz
Halle/Saale Fr 13. März 10.30 Uhr Hauptbahnhof
Hamburg Fr 13. März 18.00 Uhr Bahnhofsvorplatz Hamburg-Harburg
Hannover Sa 14. März 10.30 Uhr Ernst-August-Platz
Kassel Fr 13. März 14.30 Uhr Rainer-Dierichs-Platz
Kiel Fr 13. März 14.30 Uhr Platz der Kieler Matrosen
Köln So 15. März 11.00 Uhr Bahnhofsvorplatz
Leipzig Sa 14. März 14.30 Uhr Hauptbahnhof, Querbahnsteig
Mannheim Sa 14. März 14.00 Uhr Hauptbahnhof, Basement
München So 15. März 10.30 Uhr Hauptbahnhof, Querbahnsteig
Nürnberg So 15. März 14.00 Uhr Hallplatz / Königstraße
Stuttgart Sa 14. März 17.30 Uhr Schlossplatz, Herzog-Christoph-Denkmal
Weimar Fr 13. März 18.00 Uhr Hauptbahnhof

Christine Lambrecht (Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz)

GRUSSWORT ANLÄSSLICH DES
100. JAHRESTAGES DER ABWEHR DES
KAPP-LÜTTWITZ-PUTSCHES VON 1920

13. März 1920. Staatsstreich.

Am frühen Morgen besetzte die Marinebrigade Erhardt unter ihrem General Walther von Lüttwitz das Regierungsviertel in Berlin und ernannte ihren Mitverschwörer Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Hakenkreuz am Stahlhelm, schwarz-weißrotes Band. Das Ziel der aggressiv rechtsextremen Brigade war klar: Sie wollten die demokratische Regierung stürzen und die erst wenige Monate alte Weimarer Republik beseitigen. Die Reichswehr weigerte sich, gegen die Putschisten vorzugehen. Die Mehrzahl der Minister unter Reichskanzler Gustav Bauer und Reichspräsidenten Friedrich Ebert musste aus Berlin fliehen.

Dennoch waren die Putschisten an jenem schicksalshaften Tag zum Glück nur fast erfolgreich. Nach vier Tagen war der Putsch niedergeschlagen.

Dass die Weimarer Republik diesen ersten schweren Schock überstanden hat, war dem heldenhaften Einsatz vieler einfacher Menschen zu verdanken, die sich zur Wehr setzten und von denen viele ihr Leben verloren: Rund 12 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter und Angestellte legten mit einem Generalstreik das wirtschaftliche Leben weitgehend lahm. Auch die Ministerialbürokratie weigerte sich, der illegitimen Regierung unter Kapp zu folgen.

Die Abwehr des Putsches macht eines deutlich: Es sind Menschen, die die Demokratie und den Rechtsstaat verteidigen müssen und können. Zu oft wird die Weimarer Reichsverfassung kritisiert und dafür verantwortlich gemacht, dass die erste deutsche parlamentarische Republik scheiterte. Es kommt jedoch nicht allein auf den Verfassungstext an. Zivilgesellschaftlich engagierte Bürgerinnen und Bürger müssen für die Grundlagen des gesellschaftlichen Zusammenlebens aktiv einstehen.

2020 jährt sich der Kapp-Putsch zum 100. Mal und es gibt – leider – mehr als genug Anlass, sich an die damaligen Geschehnisse zu erinnern. Denn auch wenn ein Staatsstreich heute fernzuliegen scheint – der Rechtsextremismus greift um sich. Die abscheulichen Anschläge von Hanau und Halle und der Mord an Walter Lübcke sind nur die Spitze des Eisbergs. Selbstverständlich werden wir alle staatlichen Mittel ergreifen, um dem Rechtsextremismus wehrhaft die Stirn zu bieten. Doch auch heute wieder müssen die Bürgerinnen und Bürger selbst aktiv werden und unsere Demokratie und unseren Rechtsstaat mit Leben füllen.

Ich danke dem Weimarer Republik e.V., dass er mit seiner bundesweiten Aktion die Erinnerung an die erfolgreiche Abwehr des rechtsextremen Kapp-Lüttwitz-Putsches lebendig hält. Gerne übernehme ich die Schirmherrschaft über die Erinnerung an die Abwehr des Putsches. Denn der Mut der damals Beteiligten ist auch heute wieder gefragt, wenn es gilt, unsere Verantwortung für Frieden und Demokratie wahrzunehmen.

Christine Lambrecht
Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz

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Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
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[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
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[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
[Kessler Tgbb]Harry Graf Kessler. Tagebücher 1918-1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt a. M und Leipzig 1996.
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[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
[PM]Paul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
[ThHB]Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
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[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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