Die Weimarer Republik – Deutschlands erste Demokratie

DE | EN

Personen - Who is who der Weimarer Republik

Wirtschaft

Die Wirtschaft der Weimarer Republik wurde immer wieder von Krisen erschüttert. Zugleich beschleunigte sich der schon im Kaiserreich sichtbare Strukturwandel mit der Konzentration in immer größeren Konzernen. Dadurch erhielten einige Männer eine sehr große Macht, die sie auch politisch zu nutzen verstanden, so Gustav Krupp, Alfred Hugenberg, Walter Rathenau, Hugo Stinnes oder Albert Vögler.

Gustav Krupp

(© Bundesarchiv Bild 102-12331)

1870-1950

  • Diplomat und Unternehmer

Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde als Sohn eines preußischen Diplomaten geboren. Wie auch sein Vater, schlug Krupp von Bohlen und Halbach eine Diplomaten-Laufbahn ein. Dabei war er unter anderem in den deutschen Botschaften in Washington D.C. und Peking tätig. Auf Vermittlung Kaiser Wilhelm II. heiratete Krupp von Bohlen Halbach 1906 die Firmenerbin Bertha Krupp. Durch diese Verbindung und auf preußisch-königlichen Erlass hin war es ihm gestattet den Familien Krupp seinem eigentlichen Familiennamen voranzustellen. 1908 stieg er in die Unternehmensführung ein und gestaltete von da an die Firmenpolitik. Er führte die Friedrich Krupp AG während des Ersten Weltkriegs, der Weimarer Republik und der NS-Zeit bis 1942. Besonders in den 20er Jahren sah sich sein Unternehmen mehreren Krisen, die besonders mit den Folgen des Kriegs und der Weltwirtschaftskrise in Zusammenhang standen, ausgesetzt. Als preußischer Adliger war Krupp von Bohlen und Halbach politisch konservativ eingestellt, verhielt sich aber gegenüber der Republik loyal. Nach der Machtergreifung ging er jedoch eine enge Zusammenarbeit mit dem NS-Regime ein, die seinem Unternehmen große wirtschaftliche Vorteile bot. Krupp von Bohlen und Halbach beteiligte sich an der Rüstungspolitik und setzte dabei zahlreiche Zwangsarbeiter in seinen Betrieben ein. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands wurde er im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess für prozessunfähig erklärt und entging so einer Anklage.

zum Link auf Wikipedia

Alfred Hugenberg

(© Bundesarchiv Bild 183-2005-0621-500)

1865-1951

  • Chef des Pressekonzerns Hugenberg
  • 1928 Vorsitzender der DNVP
  • 1933 Minister im Kabinett Hitler

Alfred Hugenberg war in mehreren großen Unternehmen der Montanindustrie tätig, etwa als Finanzdirektor bei Krupp, und Mitbegründer des nmationalistischen Alldeutschen Verbandes. 1916 übernahm er den Scherl-Verlag, den er im Laufe der folgenden Jahre zu einem großen Pressekonzern ausbaute. Politisch engagierte er sich ab 1918 in der DNVP, in der er zum rechten Flügel gehörte. Als er 1928 Parteivorsitzender wurde, beendete er die Phase der Kooperatioonsbereitschaft nach links und paktierte mit der damals noch unbedeutenden NSDAP, die er mit Hilfe seines Presseimperiums hoffähig und bekannt machte. In großer Selbstüberschätzung meinte er, Hitler für seine Zwecke gebrauchen zu können - es kam anders herum. Zwar wurde er im Januar 1933 zum Superminister für Wirtschaft und Landwirtschaft berufen, aber schon wenige Monate aus der Regierung gedrängt. Seinen Konzern musste er verkaufen, gleichwohl blieb er bis 1945 "als Gast der NSDAP" Mitglied des Reichstages.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Wilhelm Cuno

(© Bundesarchiv Bild 183-2002-0625-505)

1876-1933

  • Chef der Reederei HAPAG
  • 1922/23 Reichskanzler
  • konnte Hyperinflation nicht stoppen

Wilhelm Cuno startete zunächst eine Karriere in der Verwaltung. Im Ersten Weltkrieg war er in der Reichsgetreidestelle tätig und beschäftigte sich mit der deutschen Handelsflotte. Der Großreeder Albert Ballin holte ihn 1918 zur HAPAG, nach dessen Selbstmord trat Cuno die Nachfolge als Generaldirektor an. Seine guten Kontakte nach Amerika halfen ihm bei der Neuaufstellung der HAPAG und machten ihn auch für die Politik interessant. Nachdem er mehrmals Ministerämter abgelehnt hatte, berief ihn 1922 Friedrich Ebert zum Reichskanzler eines konservativ-wirtschaftsliberalen Kabinetts, das sich überparteilich sah, aber von einer Mehrheit im Reichstag getragen wurde. Als 1923 französische Truppen das Ruhrgebiet besetzten, rief Cuno zum passiven Widerstand auf, der fast zum Staatsbankrott führte. Die galoppierende Inflation und innere Unruhen zwangen ihn schließlich zum Rücktritt. Cuno zog sich ins Wirtschaftsleben zurück.

mehr zum Lebenslauf bei Wikipedia

Hugo Stinnes

(© Bundesarchiv Bild 102-00030A)

1870-1924

  • Unternehmer
  • Mitbegründer des Rheinisch-Westfälischen-Elektrizitätswerks AG (RWE)
  • Reichstagsmitglied

Stinnes entstammte einer Unternehmerfamilie aus dem Ruhrgebiet. Im Alter von 23 Jahren machte sich Stinnes selbstständig und gründete mehrere erfolgreiche Unternehmen, die den bisherigen Familienbesitz bei Weitem übertrafen. Er orientierte sich beim Aufbau seines Konzerns an den amerikanischen Trusts, den Großunternehmen, und betrieb eine ähnlich aggressive Firmenpolitik, die auf stetige Vergrößerung zielte. Aufgrund der hohen Fremdfinanzierung seiner Unternehmen profitierte Stinnes von der massiven Geldentwertung während der Inflation, weshalb er auch "Inflationskönig" genannt wurde. Durch seine enorme wirtschaftliche Macht verfügte er auch über politischen Einfluss, den er besonders während des Ruhrkampfes 1923 geltend machte. Während der Novemberrevolution suchte Stinnes, aus Furcht vor einem sozialistischen Umsturz, einen Ausgleich mit den Gewerkschaften herzustellen und unterzeichnete 1918 mit dem Gewerkschafter Carl Legien das Stinnes-Legien-Abkommen. Darin wurden die Gewerkschaften als Vertretung der Arbeiterinteressen und gleichwertiger Tarifpartner anerkannt. Im Gegenzug sicherten die Gewerkschaften den Erhalt der freien Marktwirtschaft zu. Darüber hinaus zog Stinnes 1920 für die DVP in den Reichstag ein und war dort dem rechten Parteiflügel zugehörig. 1924 starb Stinnes an den Folgen einer Gallenblasenoperation. Bald darauf beginnt sein Unternehmen zu zerfallen.

zum Lebenslauf auf Wikipedia

Hjalmar Schacht

(© Bundesarchiv Bild 102-12733)

1877-1970

  • Bankier
  • Mitbegründer der DDP
  • Reichsbankpräsident 1923-1930 und 1933-1939

Schacht wurde als Sohn eines Kaufmannes geboren und studierte Wirtschaftswissenschaften. Noch im Kaiserreich stieg er zum Direktor der Dresdener Bank auf und wechselte anschließend zur privaten Nationalbank für Deutschland, wo er ebenfalls den Posten des Direktors innehatte. Im November 1918 war er ein Mitbegründer der linksliberalen DDP. 1922 wurde er Direktor der durch Fusion entstandenen Danat-Bank. Während der Hyperinflation wurde er 1923 von der Regierung Stresemann erst zum Währungskommissar und anschließend zum Reichsbankpräsidenten ernannt. In diesen Funktionen gelang es ihm die Inflation zu überwinden. Als Gesandter Deutschlands nahm er 1924 an den Verhandlungen zum Dawes-Pan teil. Ab Mitte der zwanziger Jahre tendierte Schacht immer mehr zu den rechten Parteien und trat 1926 aus der DDP aus. 1929 nahm er erneut an Verhandlungen zur Regelung der Reparationszahlungen teil. Im Anschluss daran sprach er sich gegen die Bestimmungen und die Annahme des Young-Planes aus. Als der Vertrag im Reichstag schließlich doch angenommen wurde, trat Schacht vom Amt des Reichsbankpräsidenten 1930 zurück. In der Endphase der Weimarer Republik trat er der rechtsradikalen Harzburger Front bei, unterstützte die Regierungsabsichten Hitlers und knüpfte Kontakte zwischen der Industrie, der NSDAP und Hindenburg. Unter Hitler wurde Schacht 1933 erneut zum Reichsbankpräsidenten und 1934 zum Wirtschaftsminister ernannt.

zum Lebenslauf auf Wikipedia

Walther Rathenau

(© Bundesarchiv Bild 183-L40010)

1867-1922

  • Aufsichtsratschef der AEG
  • Reichsaußenminister im Kabinett Wirth
  • 1922 von Rechtsextremen ermordet

Walther Rathenau wuchs in einer jüdischen Unternehmerfamilie auf. Sein Vater war Gründer der AEG. Walther Rathenau trat in diese Fußstapfen und wurde zu einem der führenden Unternehmer Deutschlands mit rund 50 Aufsichtsratsmandaten. Seine Kenntnisse stellte er im Ersten Weltkrieg der deutschen Regierung zur Verfügung, etwa bei der Rohstoffbeschaffung. Er vertrat zunehmend expansionistische Kriegsziele und war 1918 gegen einen Waffenstillstand. Nur mit Mühe konnte er sich auf die Nachkriegszeit einstellen. Er wurde Mitglied der DDP und 1921 Wiederaufbauminister. Anfang 1922 wurde er wegen seines Verhandlungsgeschicks und seines internationalen Ansehens Reichsaußenminister. Zwar gelang ihm kein Erfolg in der Reparationsfrage, aber er schloss mit Sowjetrussland den Vertrag von Rapallo ab, was Deutschlands Isolation durchbrach. Dennoch wurde er als Jude und "Erfüllungspolitiker" stark angefeindet und schließlich im Juni 1922 auf offener Straße ermordet.

zum Lebenslauf bei Wikipedia

Glossar anzeigen
Ein Projekt des Weimarer Republik e.V. mit freundlicher Unterstützung

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
[Ebert/Wienecke-JanzEbert, Johannes/Wienecke-Janz, Detlef, Die Chronik. Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute, Gütersloh/München 2006.
[EK]Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1993.
[EtzoldEtzold, Hans-Rüdiger, Der Käfer II. Die Käfer-Entwicklung von 1934 bis 1982 vom Urmodell zum Weltmeister, Stuttgart 1989.
[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
[GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
[Kessler Tgbb]Harry Graf Kessler. Tagebücher 1918-1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt a. M und Leipzig 1996.
[KittelKittel, Erich, Novembersturz 1918. Bemerkungen zu einer vergleichenden Revolutionsgeschichte der deutschen Länder, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 104 (1968), S. 42-108.
[KolbKolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, 7. durchges. und erw. Aufl., München 2010.
[NiedhartNiedhart, Gottfried, Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. aktualisierte Aufl., München 2010.
[O/S]Manfred Overesch/ Friedrich Wilhelm Saal: Die Weimarer Republik. Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur, Düsseldorf 1992.
[Overesch/SaalOveresch, Manfred/Saal, Friedrich Wilhelm, Die Weimarer Republik, Eine Tageschronik der Politik, Wissenschaft Kultur, Augsburg 1992.
[PeukertPeukert, Detlef, Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt a.M. 1987.
[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
[PM]Paul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
[ThHB]Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
[TofahrnTofahrn, Klaus W., Chronologie des Dritten Reiches. Ereignisse, Personen, Begriffe, Darmstadt 2003.
[UB]Ursula Büttner: Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933. Leistungen und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, Stuttgart 2008.
[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)