Die Weimarer Republik – Deutschlands erste Demokratie

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Personen - Who is who der Weimarer Republik

DNVP-Wahlplakat (© Bundesarchiv Plak 002-029-008)

DNVP

Die Deutsch-Nationale Volkspartei (DNVP) wurde 1918 gegründet und stand in der Nachfolge der konservativen Parteien des Kaiserreichs. Sie lehnte die demokratische Staatsordnung ab, propagierte einen aggressiven Nationalismus und befürwortete die Wiedererrichtung der Monarchie. In ihr waren auch antisemitische Kräfte vertreten. Beim Kapp-Putsch und bei einer Reihe von politischen Morden gerieten führende DNVP-Politiker ins Zwielicht. Später übernahm die Partei jedoch Regierungsverantwortung auf Reichs- und Länderebene. Unter Alfred Hugenberg schlug sie ab 1928 jedoch wieder einen radikaleren Kurs ein, der die DNVP schließlich zum Steigbügelhalter der Nationalsozialisten machte.

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Alfred Hugenberg

(© Bundesarchiv Bild 183-2005-0621-500)

1865-1951

  • Chef des Pressekonzerns Hugenberg
  • 1928 Vorsitzender der DNVP
  • 1933 Minister im Kabinett Hitler

Alfred Hugenberg war in mehreren großen Unternehmen der Montanindustrie tätig, etwa als Finanzdirektor bei Krupp, und Mitbegründer des nationalistischen Alldeutschen Verbandes. 1916 übernahm er den Scherl-Verlag, den er im Laufe der folgenden Jahre zu einem großen Pressekonzern ausbaute. Politisch engagierte er sich ab 1918 in der DNVP, in der er zum rechten Flügel gehörte. Als er 1928 Parteivorsitzender wurde, beendete er die Phase der Kooperatioonsbereitschaft nach links und paktierte mit der damals noch unbedeutenden NSDAP, die er mit Hilfe seines Presseimperiums hoffähig und bekannt machte. In großer Selbstüberschätzung meinte er, Hitler für seine Zwecke gebrauchen zu können - es kam anders herum. Zwar wurde er im Januar 1933 zum Superminister für Wirtschaft und Landwirtschaft berufen, aber schon wenige Monate aus der Regierung gedrängt. Seinen Konzern musste er verkaufen, gleichwohl blieb er bis 1945 "als Gast der NSDAP" Mitglied des Reichstages.

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Kuno von Westarp

(© Bundesarchiv Bild 102-01916A)

1864-1945

  • Mitbegründer der DNVP
  • Reichstagsmitglied
  • Fraktionsvorsitzender der DNVP
  • Parteivorsitzender der DNVP

Westarp beteiligte sich im Herbst 1918 an der Gründung der konservativen Partei DNVP. Ab 1920 gehörte er als Abgeordneter der DNVP dem Reichstag an. In der Anfangsphase der Republik stand er in scharfer Gegnerschaft zur Weimarer Demokratie und hatte eine enge Verbindung zu dem konspirativen Kreis, der den Kapp-Putsch initiierte. In der Folgezeit setzte er sich vermehrt für eine Regierungsbeteiligung der DNVP ein. 1925-1929 war er Fraktionsvorsitzender der DNVP im Reichstag, 1926-1928 Parteivorsitzender. Die fundamentaloppositionelle Haltung des 1928 gewählten Parteivorsitzenden Hugenbergs widerstrebte seinen Plänen die Regierung Brüning zu unterstützen. Zusammen mit Gottfried Reinhold Treviranus, einem weiteren ranghohen Parteimitglied der DNVP, gründete er die Konservative Volkspartei nach seinem Parteiaustritt 1930.

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Oskar Hergt

(© Bundesarchiv Bild 183-2009-0316-500)

1869-1967

  • Mitbegründer der DNVP
  • Parteivorsitzender
  • Reichstagsmitglied
  • Vizekanzler und Justizminister 1927-1928

Der im Kaiserreich parteilose Oskar Hergt war an der Gründung der DNVP im November 1918 beteiligt. Im Dezember wurde er zum ersten Vorsitzenden der DNVP gewählt. Hergt galt zwar als Monarchist und Gegner der Republik, stand aber als gemäßigter Konservativer Umsturzversuchen kritisch gegenüber. Nachdem er den Fraktionszwang vor der Abstimmung über den Dawes-Plan im Reichstag aufhob und ein großer Teil der DNVP für den Plan stimmte, musste er auf Druck des rechten Parteiflügels zurücktreten. In der Regierung Marx wurde er 1927-1928 Reichsjustizminister und Vizekanzler. Hergt blieb auch nach der Niederlage im Kampf um den Parteivorsitz 1928 gegen Hugenberg in der Partei. 1933 zog sich Hergt aus der Politik zurück.

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Karl Helfferich

(© Library of Congress (USA) ID: ggbain.21735 )

1872-1924

  • Bankier
  • Reichstagsmitglied
  • Wortführer der politischen Rechten

Helfferich, der während der Endphase des Kaiserreichs an mehreren Regierungen beteiligt war, war einer der schärfsten Gegner der Weimarer Demokratie und deren Vertreter. Ab 1920 SAß er für die DNVP im Reichstag. In dem von ihn verfassten polemischen Schriften griff er Politiker wie Erzberger, Rathenau und Wirth offen an. Ihm wird ein großer Anteil an der aufgeheizten politischen Stimmung während der ersten Jahre der Republik und damit auch an den sogenannten „Fememorden“ zugrechnet. Im November 1923 wurde die neue Rentenmark mit Sachwerten gedeckt. Dies hatte Helfferich zuvor in ähnlicher Weise vorgeschlagen. Trotz seines Renommees wurde Helfferich nicht zum Reichsbankpräsidenten gewählt, da die Reichsregierung und der Reichspräsident, aufgrund seiner radikal antidemokratischen Einstellung, dagegen stimmten.

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Alfred von Tirpitz

(© Bundesarchiv Bild 134-B2595)

1849-1930

  • Deutscher Marineoffizier, zuletzt Großadmiral
  • Mitbegründer der DNVP
  • Reichstagsmitglied

Tirpitz war und ist in Deutschland vor allem für seine Rolle bei der Flottenaufrüstung unter Kaiser Wilhelm II. bekannt. Zusammen mit dem Kaiser forcierte er den Flottenausbau ab der Jahrhundertwende und sorgte damit für eine zunehmende Entfremdung zwischen Großbritannien und Deutschland. Schließlich schied er 1916 aus dem Amt, da zwischen ihm, dem Kaiser und dem Kanzler Uneinigkeit über den ‚uneingeschränkten Uboot-Krieg‘ herrschte. 1917 gründete er als Reaktion auf die Friedensresolution im Reichstag zusammen mit Wolfgang Kapp die nationalistisch-völkische Deutsche Vaterlandspartei. Nach dem Krieg gründete er zusammen mit anderen Konservativen die DNVP. 1924-1928 saß er für die DNVP im Reichstag.

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Ein Projekt des Weimarer Republik e.V. mit freundlicher Unterstützung

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
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[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
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[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
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[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
[PM]Paul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
[ThHB]Thüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
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[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)