150 Jahre Kaiserreich

Vor der Reichsgründung: Kaiser Wilhelm I. (4.v.l.) in einer Beratung im Schloss Versailles (© Quelle: Bundesarchiv Bild 183-B0403-0049-001)

Vor 150 Jahren, am 18. Januar 1871, wurde im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles das Deutsche Kaiserreich ausgerufen. Damit fanden die von Bismarck forcierten Einigungskriege ihren symbolischen Höhepunkt und Abschluss. Mit „Eisen und Blut“ war ein deutscher Nationalstaat geformt worden und somit ein lang gehegter Traum vieler Bürger in Erfüllung gegangen. Der neue Staat bedeutete in vielerlei Hinsicht einen Fortschritt. Das traf auch auf den zweiten Traum vieler Bürger zu, nämlich nach Freiheit und Demokratie: Im Kaiserreich wurde 1871 ein für die damalige Zeit sehr modernes Wahlrecht eingeführt, der somit gewählte Reichstag gewann im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung, so dass die Parlamentarisierung des Reiches weiter voranschritt.
Unübersehbar bleiben aber die großen Defizite des Kaiserreiches: Es war ein Obrigkeitsstaat, dessen Regierung allein vom Kaiser abhing, ein Fürstenbund unter Vorherrschaft des Adels, der seinen Bürgern wichtige Rechte und Freiheiten vorenthielt. Die Verweigerung von Reformen führte zu immer größeren Spannungen, die sich unter der Belastung des Weltkrieges schließlich entluden und zum Untergang des Kaiserreichs führten. Unkritische Jubelfeiern sind deshalb zum 150. Jahrestag der Reichsgründung fehl am Platze. Zugleich sollen die positiven Aspekte des Kaiserreichs nicht vergessen werden. Es geht also um einen differenzierten Blick auf jene Zeit. Darum hat sich eine Tagung der AG Orte der Demokratiegeschichte in Kooperation mit der Otto-von-Bismarck-Stiftung, dem Weimarer Republik e.V. und der Forschungsstelle Weimarer Republik an der Friedrich-Schiller-Universität Jena bemüht, die am 29. und 30. Oktober 2020 im digitalen Format stattgefunden hat und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert wurde. In einem ersten Schritt ist daraus eine Broschüre entstanden: Sie soll interessierten Bürgern pünktlich zum runden Jahrestag den aktuellen Forschungsstand zum Kaiserreich nahebringen und zur Beschäftigung mit dieser wichtigen Phase in der deutschen Geschichte einladen. Unter www.demokratie-geschichte.de/extra/150jahre ist sie digital verfügbar, hier gibt es auch weiterführende Informationen zu 150 Jahren Kaiserreich.

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Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
[Ebert/Wienecke-JanzEbert, Johannes/Wienecke-Janz, Detlef, Die Chronik. Geschichte des 20. Jahrhunderts bis heute, Gütersloh/München 2006.
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[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
[GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
[Kessler Tgbb]Harry Graf Kessler. Tagebücher 1918-1937, hrsg. von Wolfgang Pfeiffer-Belli, Frankfurt a. M und Leipzig 1996.
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[KolbKolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, 7. durchges. und erw. Aufl., München 2010.
[NiedhartNiedhart, Gottfried, Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. aktualisierte Aufl., München 2010.
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[PK]Paul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
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[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
[WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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