Vor 100 Jahren: Arbeiterolympiade in Frankfurt
Im Juli 1925 trafen sich 100.000 Sportlerinnen und Sportler zur Internationalen Arbeiterolympiade in Frankfurt am Main. Es war das bis heute größte Sportevent in der Mainmetropole.
Das Wort „Arbeiterolympiade“ klingt heute wenig vertraut, ist aber ein wichtiger Hinweis auf die Verhältnisse in der Sportwelt der Weimarer Republik. Denn damals gab es keine verbindende Vereinsstruktur, sondern streng abgegrenzte Milieus, in denen Sport getrieben wurde: in bürgerlichen Kreisen, in religiösen Gemeinschaften, in der Arbeiterbewegung. Die heute allgemein anerkannte Olympia-Bewegung unter Führung des IOC war vor 100 Jahren eine Sache für bürgerliche Kreise. Arbeiter trieben in eigenen Vereinen Sport und trafen sich zu eigenen internationalen Wettkämpfen – die bedeutendsten waren die Arbeiterolympiaden in den Jahren 1925 (Frankfurt), 1931 (Wien) und 1937 (Antwerpen). Sie zeichneten sich dadurch aus, dass nicht der Leistungsgedanke und die Siegesabsicht im Vordergrund standen, sondern die gemeinsame Bewegung. Nationalflaggen und nationale Gefühle waren verpönt, es ging um den friedlichen Wettstreit. Und während Deutschland als Kriegsverlierer bis 1928 aus der olympischen Bewegung ausgeschlossen blieb, war es im Arbeitersport voll anerkannt.
Die Arbeiterolympiade im Juli 1925 war in Frankfurt/Main ein Riesenereignis. Rund 3.000 Sportler aus elf Ländern reisten an, darunter auch zahlreiche Frauen. Es fanden Wettkämpfe und große gemeinschaftliche Turnübungen im nagelneuen Waldstadion statt. Insgesamt 450.000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die sportlichen Darbietungen und das umfangreiche Kulturprogramm. Dabei wurden sie auch Zeugen für kuriose Wettkämpfe, etwa beim „Langsamen Radfahren“: Dabei musste man 100 Meter mit dem Fahrrad fahren – gewonnen hatte, wer am langsamsten fahren konnte. Die Siegerzeit betrug 14 Minuten und 22 Sekunden.
Der Arbeitersport und die Arbeiterolympiade vor 100 Jahren ist auch ein Thema in der aktuellen Sonderausstellung „Freiheit in Bewegung“ im Haus der Weimarer Republik.

