Die Weimarer Republik – Deutschlands erste Demokratie

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100 Jahre Grüne Woche

Am 16. Januar öffnet wieder die „Grüne Woche“ in Berlin ihre Pforten. Auch sie ist ein Kind der Weimarer Republik und feiert runden Geburtstag.

 

Im Februar 1926 fand sie zum ersten Mal statt – heute gehört die „Grüne Woche“ zu den wichtigsten Landwirtschaftsmessen der Welt. Die Idee dazu hatte Hans-Jürgen von Hake, gelernter Landwirt und Mitte der 1920er Jahre Mitarbeiter im Berliner Fremdenverkehrsamt. Er hatte beobachtet, dass die seit Ende des 19. Jahrhunderts stattfindenden Wintertagungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) zahlreiche Verkaufsstände von Handwerk und Industrie anzogen. Sie waren ebenso wie Jagdschauen und Ausstellungen über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Hake schlug vor, dem wilden Handel Einhalt zu gebieten und ihn in den neuen Messehallen am Funkturm zu konzentrieren. Die Idee schlug ein wie eine Bombe, schon im ersten Jahr kamen mehr als 50.000 Besucherinnen und Besucher. Die Hauptstadtpresse taufte das Ereignis „Grüne Woche“, weil die Landwirte in ihren grünen Lodenmänteln gut erkennbar waren. Mit Unterstützung der Stadt Berlin und des Landes Preußen entwickelte sie sich zur Leitmesse der Landwirtschaft.
Von Anfang an verband die Grüne Woche Warenschau mit Reit- und Fahrturnieren. Es gab Kleintierausstellungen, einen Saatenmarkt, und Jäger zeigten ihr Können. Anders als heute bestand Berlin damals noch zu einem Fünftel aus Agrarland. In der Stadt lebten 45.000 Pferde, 25.000 Schweine, 21.000 Milchkühe und mehr als eine halbe Million Stück Geflügel. Etwa 200.000 Berlinerinnen und Berliner besaßen einen Kleingarten. Das heißt, die ausgestellten Güter und Dienstleistungen waren nicht nur für professionelle Landwirte interessant, sondern für die breite Masse. Die Grüne Woche war schon damals ein Ort der Innovationen. Das größte Exponat der ersten Schau war ein eisenbereifter, vier Meter hoher Universalschlepper für Feldarbeiten mit 100 PS. Er stand für die beginnende Mechanisierung in der Landwirtschaft.
Doch auch allerlei Kuriositäten bekamen Besucherinnen und Besucher zu sehen. 1928 sollte eine Fußspurmaschine beweisen, dass ein Hund nur der menschlichen Spur, nicht aber dem Geruch nachläuft. Um 5.000 Eier auf „natürlichem Wege“ frisch zu halten, wurde 1930 eine Eierfrischhaltemaschine vorgestellt. Die im Kreis gedrehten Eier sollten durch die Bewegung ein Jahr lang essbar bleiben. Vielversprechendere Erfindungen waren eine Kannenmelkanlage, ein Raupenschlepper, eine Motorsäge für den Handbetrieb sowie leistungsfähige Getreidesorten bekannter Züchter. Elektrolux stellte einen Pferdestaubsauger vor. Doch auch der Genuss spielte von Anfang an eine wichtige Rolle. 1931 kam der Aussteller Finow Farm mit einem als Markstand umgebauten Verkaufslaster – als erster Foodtruck der Grünen Woche.
www.gruenewoche.de

Bei der ersten Grünen Woche 1926 besichtigen der preußische Landwirtschaftsminister Heinrich Steiger [x] und Oberbürgermeister Gustav Böß [xx] Riesen-Baumstämme aus deutschen Wäldern.


Bundesarchiv, Bild 102-02325, Foto: Georg Pahl
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Ein Projekt des Weimarer Republik e.V. mit freundlicher Unterstützung

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

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(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)