Fatale Parallele
Eine fatale Parallele stellt der Weimarer Republik e.V. bei der Wahl des Datums und des Ortes für den nächsten Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) fest.
Die Delegierten sollen sich am 4. Juli 2026 in Erfurt versammeln – auf den Tag genau 100 Jahre nach dem ebenfalls in dieser Region abgehaltenen Reichsparteitag der NSDAP. „Dieser Zusammenhang erfüllt uns mit Sorge“, erklärt Vorstandsvorsitzender Stephan Zänker. Der Weimarer Verein koordiniert die Erinnerung an die erste deutsche Demokratie, ihre Errungenschaften, ihre wechselvolle Geschichte und ihre Zerstörung. Er betreibt das Haus der Weimarer Republik und stellt in seiner Arbeit immer wieder Gegenwartsbezüge her.
„Deshalb kann es uns nicht egal sein, wenn eine Partei, die mit dem Vorwurf des Rechtsextremismus konfrontiert ist, eine solche historische Parallele herstellt“, so Zänker. Entweder stecke dahinter Unwissenheit und Desinteresse. Oder die AfD habe das Datum bewusst gewählt und stelle sich mit voller Absicht in die Tradition des Nationalsozialismus – und dann seien alle Beteuerungen über eine Abgrenzung zum Rechtsextremen unglaubwürdig. Angesichts der extremen Ausrichtung des Thüringer AfD-Landesverbandes könne eine solche Variante leider nicht ausgeschlossen werden.
Der NSDAP-Reichsparteitag 1926 war kein gewöhnlicher Parteitag, sondern ein Wendepunkt in der Geschichte der völkischen Bewegung in Deutschland. Am 4. Juli zogen Adolf Hitler und seine Gefolgsleute in das Deutsche Nationaltheater Weimar ein – ganz bewusst in den Ort, wo sieben Jahre zuvor die Verfassung der neuen Republik verabschiedet worden war. Der Parteitag stellte somit einen symbolischen Frontalangriff auf die Demokratie dar. Er war auch in anderer Hinsicht bahnbrechend: So fanden martialisch anmutende Aufmärsche von Tausenden Nationalsozialisten statt, die aus ganz Deutschland nach Weimar transportiert wurden, um Stärke zu zeigen und Angst zu verbreiten – ein Muster, das fortan fest zum Parteileben der NSDAP gehörte. Und in Weimar wurde 1926 die Hitlerjugend gegründet, die Millionen Jugendliche für die brutalen Ziele der Nationalsozialisten anwarb und ausnutzte.
Zwar war das nach dem Hitlerputsch 1923 verhängte Verbot der NSDAP mittlerweile aufgehoben. Der Tagungsort in Thüringen wurde aber deshalb gewählt, weil Hitler hier im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Ländern frei reden durfte. Das war der Preis dafür, dass seit der Wahl 1924 rechtsextreme Abgeordnete die bürgerlich-konservative Landesregierung tolerierten – eine Verbindung, die spätestens mit dem NSDAP-Reichsparteitag 1926 als Axt an der Wurzel der Demokratie sichtbar wurde.

