Die Weimarer Republik – Deutschlands erste Demokratie

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Statements

Frank-Walter Steinmeier

Bundespräsident

Jedes Volk sucht Sinn und Verbundenheit in seiner Geschichte – warum sollte das für uns Deutsche anders sein? Wir können stolz sein auf die Traditionen von Freiheit und Demokratie, ohne den Blick auf den Abgrund der Shoah zu verdrängen. Ich wünsche mir, dass wir mehr Aufmerksamkeit, mehr Herzblut und ja, auch mehr finanzielle Mittel den Orten und den Protagonisten unserer Demokratiegeschichte widmen.

Julia Klöckner

Präsidentin des Bundestags

1919 wagte Deutschland den Sprung in die Moderne – mit dem Frauenwahlrecht, der verbrieften Pressefreiheit und einer Verfassung, die Europa inspirierte. Die erste deutsche Demokratie währte nur 14 Jahre, doch ihre Ideen überlebten den Nationalsozialismus – die Weimarer Verfassung wurde zur Grundlage unseres Grundgesetzes. Wer sich mit der Weimarer Republik beschäftigt, lernt nicht nur aus der Geschichte. Ihre Lehren zeigen, wie verletzlich Freiheit sein kann – und wie sehr sie politische Wachsamkeit und Beteiligung braucht. Diese Erkenntnis macht uns heute stärker. Eine demokratische Ordnung, die sich ihrer Grundlagen bewusst ist, ist für die Zukunft gut gerüstet.

Bärbel Bas

Bundesministerin für Arbeit und Soziales

In Weimar konstituierte sich Deutschland unter schwierigen innen- und außenpolitischen Bedingungen erstmals als Republik. Das Scheitern war nicht vorprogrammiert. Es folgte vor allem aus der weitverbreiteten Verachtung gegenüber der parlamentarischen Demokratie und dem mangelnden Verantwortungsbewusstsein vieler Akteure. Der Niedergang der Weimarer Republik bleibt eine Mahnung an uns Abgeordnete, Parteien sowie Bürgerinnen und Bürger: Die freiheitliche Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist auf überzeugte Demokratinnen und Demokraten angewiesen!

Carsten Schneider

Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Mit den Beratungen zur Weimarer Reichsverfassung im Jahr 1919 wurde die Tür in die Moderne energisch aufgestoßen. Viele der Errungenschaften, die vor 100 Jahren erstmals Verfassungsrang bekommen sollten, bestimmen auch heute noch unser Leben. Da ist das Frauenwahlrecht oder der Achtstundentag - uns lehrt diese Zeit aber auch, dass unser demokratisches Gemeinwesen nicht selbstverständlich ist. Es gilt, dieses Tag für Tag zu verteidigen und zu festigen.

Prof. Dr. Norbert Lammert

Vorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung

Ein herausragendes Ereignis der deutschen Demokratiegeschichte ist die Weimarer Nationalversammlung schon deshalb, weil sie der erste und einzige in Deutschland je allgemein und demokratisch gewählte Verfassungskonvent war. Sie war und bleibt verbunden mit der Einführung des Frauenwahlrechts, mit dem das politisch eher rückständige Deutschland sogar hochangesehenen, etablierten Demokratien in Nachbarstaaten voraus war - eine der wenigen nachhaltigen Errungenschaften der Weimarer Demokratie.

Prof. Dr. Mario Voigt

Ministerpräsident des Freistaats Thüringen

In Weimar – hier im grünen Herzen Deutschlands – wurde 1919 Demokratiegeschichte geschrieben, die bis heute nachwirkt. Die Weimarer Reichsverfassung schlug Pflöcke für ein demokratisches Deutschland ein - von den Grundrechten über das Frauenwahlrecht bis hin zur Meinungsfreiheit. Auf diese schwarz-rot-goldene Tradition können wir stolz sein.

Der politische und moralische Abgrund des Nationalsozialismus trennt uns von dieser Zeit. Deshalb lehrt uns die >Weimarer Erfahrung<, dass jede dem Wort nach freiheitliche Verfassung engagierte Demokraten braucht, die sie mit Leben füllen. Lassen Sie uns solche Demokraten sein!

Peter Kleine

Oberbürgermeister der Stadt Weimar

Die Wahl Weimars als Ort der verfassungsgebenden Versammlung vor 100 Jahren war kein Zufall. Weimar wurde auch auserwählt, weil die Stadt an der Ilm als Klassikerstadt für die deutsche Hochkultur stand, vergleichsweise frei von politischen Zugriffen war und zugleich als „sicherer“ Ort für die damaligen Verhältnisse galt. Mit dem Bau des Hauses der Weimarer Republik als Ort der Begegnung, der Forschung und des Austausches werden wir diese Erinnerung in unserer Stadt wachhalten.

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Ein Projekt des Weimarer Republik e.V. mit freundlicher Unterstützung

Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ABAugust Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
ASAxel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVDie Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
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GGGitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
KBBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
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KittelKittel, Erich, Novembersturz 1918. Bemerkungen zu einer vergleichenden Revolutionsgeschichte der deutschen Länder, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 104 (1968), S. 42-108.
KolbKolb, Eberhard, Die Weimarer Republik, 7. durchges. und erw. Aufl., München 2010.
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NiedhartNiedhart, Gottfried, Die Außenpolitik der Weimarer Republik, 2. aktualisierte Aufl., München 2010.
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NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
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O.C.Organization Consul
O/SManfred Overesch/ Friedrich Wilhelm Saal: Die Weimarer Republik. Eine Tageschronik der Politik, Wirtschaft, Kultur, Düsseldorf 1992.
OHLOberste Heeresleitung
Overesch/SaalOveresch, Manfred/Saal, Friedrich Wilhelm, Die Weimarer Republik, Eine Tageschronik der Politik, Wissenschaft Kultur, Augsburg 1992.
PeukertPeukert, Detlef, Die Weimarer Republik. Krisenjahre der Klassischen Moderne, Frankfurt a.M. 1987.
PKPaul Kaiser: Die Nationalversammlung 1919 und die Stadt Weimar (Weimarer Schriften, Heft 16), Weimar 1969.
PMPaul Messner: Das Deutsche Nationaltheater Weimar. Ein Abriß seiner Geschichte. Von den Anfängen bis Februar 1945 (Weimarer Schriften, Heft 17), Weimar 1985.
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
ThHBThüringen-Handbuch. Territorium, Verfassung, Parlament, Regierung und Verwaltung in Thüringen 1920 bis 1995, hrsg. von Bernhard Post und Volker Wahl, Redaktion Dieter Marek (Veröffentlichungen aus Thüringischen Staatsarchiven, Bd. 1), Weimar 1999.
TofahrnTofahrn, Klaus W., Chronologie des Dritten Reiches. Ereignisse, Personen, Begriffe, Darmstadt 2003.
UBUrsula Büttner: Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933. Leistungen und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, Stuttgart 2008.
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
VUVolker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
WinklerWinkler, Heinrich-August, Weimar 1918-1933. Die Geschichte der Ersten deutschen Demokratie, München 1993.
WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.
ZentrumDeutsche Zentrumspartei

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)