Zentrumspartei: Wählt uns - die Mitte!

Die Partei des politischen Katholizismus – die Zentrumspartei – stellte sich mit einem recht ausgewogenen Aufruf zur Wahl. Dieser enthielt ein Bekenntnis zur neuen Demokratie ebenso wie den Rückgriff auf althergebrachte Parteigrundsätze und konservative Werte. So blieb die Zentrumspartei nach links wie rechts anschlussfähig und war folgerichtig von 1919 bis 1932 in allen Reichskabinetten vertreten. Als eine Partei der Mitte musste sich das Zentrum bei aller Anschlussfähigkeit jedoch auch nach rechts abgrenzen. Folge hiervon war, dass das Projekt einer überkonfessionellen Christlichen Volkspartei ebenso wenig realisiert werden konnte, wie das Projekt einer liberalen Sammlung. Katholisches Zentrum und protestantische DNVP waren in der Praxis ebenso verschieden voneinander wie linksliberale DDP und rechtsliberale DVP.

Volltext:

Durch gewaltsamen Umsturz ist die alte Ordnung Deutschlands zerstört, sind die bisherigen Träger der Staatsgewalt teils beseitigt, teils lahmgelegt worden. Eine neue Ordnung ist auf dem Boden der gegebenen Tatsachen zu schaffen, diese Ordnung darf nach dem Sturz der Monarchie nicht die Form der sozialistischen Republik erhalten, sondern muß eine demokratische Republik werden.

An der großen und schweren Aufgabe mitzuarbeiten, ist in erster Linie die deutsche Zentrumspartei berufen und bereit. Ihre alten, sturmerprobten Grundsätze bestimmen auch für die neuen Arbeitsziele Richtung und Maß.

Gerade in diesen furchtbaren Stürmen soll das deutsche Volk mehr als je erfüllt sein von dem Geist der christlichen Wahrheit, der das öffentliche wie das private Leben durchdringen muß, wenn das Glück des Ganzen wie des einzelnen erhofft werden will.

Es gilt, ein soziales Recht der Allgemeinheit aufzurichten, das jedem Staatsbürger für seine pflichtgemäße Arbeit und sein Eigentum einen gerechten und zuverlässigen Schutz gewährt.

Es gilt in dem Rahmen der christlichen Grundsätze und des gemeinen Rechts der bürgerlichen Freiheit Raum zu geben, die allein das Leben würdig zu gestalten vermag, indem sie jede Bevormundung und Willkür von Seiten einer Bureaukratie, Klassen- oder Parteiherrschaft ausschließt.

Um diese Ziele zu erreichen, bedarf die Zentrumspartei der eifrigen Mitarbeit aller Parteiangehörigen.

Diese Zugehörigkeit zur Zentrumspartei als einer christlichen Volkspartei wird nicht begrenzt durch ein Religionsbekenntnis. Alle Staatsbürger christlicher Religion haben diese Grundlage politischer Arbeit gemeinsam

Zum erstenmal treten diesmal auch die Frauen auf den politischen Kampfplatz: sie sind uns im Kampf für eine heilige Sache willkommen. Mögen auch sie an der Seite der Männer mit all ihrer Kraft eintreten für Wahrheit, Recht und Freiheit! […]

 

Frankfurt a. M., den 30. Dezember 1918

Der Reichsausschuß der Deutschen Zentrumspartei: [Adolf] Gröber.

Adolf Gröber

Quelle:

Ursachen und Folgen, Bd. 3, S. 196.

 

Bild:
https://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Gr%C3%B6ber#/media/File:Adolf_Gr%C3%B6ber_in_1918.jpg

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Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
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[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
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(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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