Am Wahltag in Gotha

Am 25. Februar wurde im Freistaat Sachsen-Gotha gewählt, wobei die USPD mit 50,7% als stärkste Kraft aus der Wahl hervorging. Die Wahl drohte jedoch von einem Generalstreik der Arbeiter samt Gegenstreik der Beamten überschattet zu werden. Wie das Jenaer Volksblatt berichtete war die tatsächliche Lage vor Ort jedoch ruhiger, was nicht zuletzt auch an der relativen Nähe zum Tagungsort der Nationalversammlung lag. Die Truppen, die Weimar vor Ausschreitungen schützten, sorgten auch in Gotha für Ruhe.

Volltext:

Die Befriedung Gothas

Wie wir hören, hat sich der Reichswirtschaftsminister Wissell am Sonntag vormittag von Weimar nach Gotha begeben, um sich über den Stand der Dinge zu unterrichten und die Möglichkeit für eine Beendigung des Generalstreikes der Arbeiter und des Gegenstreikes der Beamten zu prüfen. Die Verhandlungen mit Vertretern der Gothaischen Volksbeauftragten, den städtischen Behörden und der Arbeiterschaft, an denen auch der Generalmajor Maercker teilnahm, zeigten, daß die über die Verhältnisse in Gotha verbreiteten Nachrichten stark übertrieben sind und daß man zu einer baldigen friedlichen Beendigung des Streikes durchaus geneigt ist. Minister Wissell wies mit Nachdruck darauf hin, daß die Brigade Maercker die Stadt erst nach Erfüllung ihrer militärischen Aufgaben, insbesondere nach Ablieferung der noch in den Händen der Bevölkerung befindlichen Waffen verlassen werde. Die Volksbeauftragten des Landes [Sachsen-Gotha] werden deshalb erneut zu Waffenablieferung auffordern. Man darf erwarten, daß dieser erneute Schritt den erhofften Erfolg haben wird. Alsdann werden die Regierungstruppen mit Ausnahme kleinerer für die Bewachung von Heeresgut erforderlichen Kommandos die Stadt gleichzeitig mit der allgemeinen Wiederaufnahme der Arbeit verlassen.

Freistaat Sachsen-Gotha (Hellgrün)

Quelle:

Jenaer Volksblatt Nr. 48 vom 26.2.1919

In: https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00258971/JVB_19190226_048_167758667_B1_001.tif?logicalDiv=jportal_jparticle_00620382

 

Bild:
https://de.wikipedia.org/wiki/Freistaat_Sachsen-Gotha#/media/File:Karte-HSG.png

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Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
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[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
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[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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