Ein Völkerbund - ohne Deutschland

Der Versailler Vertrag sieht die Gründung eines Völkerbundes vor, der weiteren Kriegen zwischen seinen Mitgliedern effektiv vorbeugen soll. Als Vorläufer der heutigen Vereinten Nationen ist der Völkerbund ein absolutes Novum auf dem internationalen Parkett. Doch wie soll der Frieden gesichert werden, wenn nur die Siegermächte dem Völkerbund beitreten dürfen? Die Deutsche Allgemeine Zeitung berichtet über französische Stimmen, die den bewussten Ausschluss Deutschlands ähnlich kritisch sehen wie das Blatt.

Volltext:

Deutschlands Ausschluß aus dem Völkerbund.

Einspruch des französischen Völkerrechtskomitees.

 

Versailles, 1. Juni (Drahtmeldung unseres Sonderberichterstatter.)

„Pays“ veröffentlicht einen Brief Ferdinand Buissons, den dieser im Auftrag des Zentralkomitees für Völkerrecht an deren Mitglieder sandte und der Enttäuschung über die Art Ausdruck gibt, wie der Friedensvertrag sich am Gedanken des Völkerbundes vergriff. Buisson schreibt:

Ein Völkerbund dürfte die Welt nicht seine Diktatur, sondern die Diktatur des zum gemeinsamen Gesetz der menschlichen Gesellschaft gewordenen Rechts aufzwingen. Der Völkerbund des Ententevertrags sei nicht das Werk der Völker, wie es versprochen worden sei, nicht einmal das Werk der Parlamente, sondern der Regierungen und der Diplomatie. Wenn daher dieses diplomatische Instrument den endgültigen Text darstellen solle, der das Schicksal der Welt zu regieren hätte, müßte die Liga protestieren, einem Akt, der in vielen Punkten weit entfernt sei, die Wünsche der Völker zu erfüllen, könnte sie nicht beipflichten. Für die Liga entstehe daher eine neue Frage. Es handle sich nicht mehr darum, das Werk als Ganzes anzunehmen oder zu verwerfen. Sie müsse versuchen, ob dieser Vertrag zum Ausgangspunkt der Neugestaltung der Menschheit gemacht werden könne.

Im Verlauf der Kritik, welche die Bestimmungen über Mandatsystem und Abrüstung, wenn auch nicht als Lösung der Fragen, so doch als Anfang dazu anerkennt, verwirft der Brief die Bestimmungen über Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und verlangt für Deutschland das Recht der Aufnahme und Abschaffung der Bedingungen, daß diese von zwei Dritteln der Stimmen abhängen solle. Deutschland solle nur so lange ausgeschlossen sein können, als es seine gegen den Völkerbund übernommenen Pflichten nicht ausführen könne oder wolle. Der Tag der Erfüllung müsse ihm aber seinen Platz im Bund sichern.

Flagge des Völkerbunds

Quelle:

Deutsche Allgemeine Zeitung Nr. 265/1919 (M) vom 2.6.

In: http://zefys.staatsbibliothek-berlin.de/kalender/auswahl/date/1919-06-02/2807323X/

 

Bild:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/c/c5/Flag_of_the_League_of_Nations_%281939%29.svg/500px-Flag_of_the_League_of_Nations_%281939%29.svg.png

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Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
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[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
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(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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