Vor 100 Jahren: Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung und die Gründung der USPD in Gotha

am Donnerstag, dem 6. April 2017

um 19.00 Uhr

Historischer Saal des Tivoli

Am Tivoli 3, Gotha

USPD-Plakat (© Bundesarchiv Plak 002-022-015)

Am 6. April 1917 gründete sich in Gotha die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD). Damit fanden die jahrelangen Auseinandersetzungen innerhalb er Sozialdemokratie um die Einschätzung des Ersten Weltkriegs ihren vorläufigen Höhepunkt in einer ersten großen  organisatorischen  Spaltung  der  Arbeiterbewegung. Die politische Kultur der Weimarer Republik blieb von diesen Spaltungen überschattet.
Bei der Gothaer Gründungskonferenz waren verschiedene Flügel der alten Sozialdemokratie vertreten, die sich allerdings lediglich in der Ablehnung der Bewilligung der Kriegskredite einig waren. Über gemeinsame weitere Ziele nach Ende des Weltkrieges gab es sehr unterschiedliche Positionen. Nach Erfolgen in der Novemberrevolution (und Mitarbeit im Rat der Volksbeauftragten) wurde die USPD bei den Reichstagswahlen von 1920 zur zweitstärksten Partei im deutschen Reichstag mit 80 Mandaten. Doch kaum zwei  Jahre  später war  von der USPD nicht mehr viel zu erkennen:  die Partei war faktisch verschwunden, etwa ein Drittel  der  Mitglieder ging zur KPD, ein weiteres Drittel zurück zur SPD und – man denkt sofort an die Nichtwähler heutzutage - der Rest engagierte sich nicht mehr in einer Partei. Ursache dieses Niedergangs war nicht zuletzt auch die Radikalisierung von Teilen der Mitgliedschaft und die Auseinandersetzungen um die Bewertung der Oktoberrevolution.
In der Geschichtsschreibung zur deutschen Arbeiterbewegung ist der USPD bis heute – im Vergleich zur Geschichte der SPD oder der KPD – wenig Aufmerksamkeit beschieden  worden. Die USPD hatte gerade auch in Thüringen ihre Hochburgen. Wichtige Repräsentanten der Thüringer Arbeiterbewegung wie z.B. Wilhelm Bock und Hermann Brill aus Gotha waren Mitglieder der USPD. Ihre Vertreter hatten entscheidenden  Anteil  an  dem  Gelingen  der  Novemberrevolution. Aus Anlass des Jubiläums des Gründungsparteitags  in  Gotha  laden  wir ein,  sich  mit  dieser  auch  lokal-  und  landesgeschichtlich  bedeutsamen Parteientwicklung zu befassen.

Hartfrid  Krause studierte  in  Marburg  und  Darmstadt  Politikwissenschaft, Mathematik und Informatik und arbeitete seit 1976 als Lehrer und Schulleiter in Hessen. Er habilitierte 1975 mit einer Arbeit über die USPD.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation der LZT mit dem Verein Weimarer Republik e.V., Bildungvereint e.V., Förderverein Gothaer Tivoli e.V., KommPottPora e.V. und dem Verein für Stadtgeschichte Gotha e.V.

Kontakt:
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Glossar

Abkürzungs- und Siglenverzeichnis der verwendeten Literatur:

ADGBAllgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund
AEGAllgemeine Elektricitäts-Gesellschaft
AfA-BundGeneral Free Federation of Employees
AVUSAutomobil-Verkehrs- und Übungsstraße
BMWBayrische Motorenwerke
BRTBruttoregistertonne
BVPBayerische Volkspartei
CenterZentrumspartei
DAPDeutsche Arbeiterpartei
DDPDeutsche Demokratische Partei
DNTDeutsches Nationaltheater
DNVPDeutsch-Nationale Volkspartei
DVPDeutsche Volkspartei
KominternCommunist International
KPDKommunistische Partei Deutschlands
KVPKonservative Volkspartei
MSPDMehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands
NSNationalsozialismus
NSDAPNationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei; Nazipartei
NVNationalversammlung
O.C.Organization Consul
OHLOberste Heeresleitung
RMReichsmark
SASturmabteilung; Brownshirts
SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands
SSSchutzstaffel
StGBPenal Code
UfAUniversum Film Aktiengesellschaft
USPDUnabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands
VKPDVereinigte Kommunistische Partei Deutschlands
ZentrumDeutsche Zentrumspartei
[AB]August Baudert: Sachsen-Weimars Ende. Historische Tatsachen aus sturmbewegter Zeit, Weimar 1923.
[AS]Axel Schildt: Die Republik von Weimar. Deutschland zwischen Kaiserreich und „Drittem Reich“ (1918-1933), hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Erfurt 2009.
[BauerBauer, Kurt, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, u.a. Wien 2008.
[BihlBihl, Wolfdieter, Der Erste Weltkrieg 1914 - 1918. Chronik - Daten - Fakten, Wien 2010.
[BüttnerBüttner, Ursula, Weimar. Die überforderte Republik 1918-1933, Stuttgart 2008.
[DNV]Die Deutsche Nationalversammlung im Jahre 1919 in ihrer Arbeit für den Aufbau des neuen deutschen Volksstaates, hrsg. v. Ed.[uard] Heilfron, Bd. 1 bis 6, Berlin [1919].
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[EK]Eberhard Kolb: Die Weimarer Republik, 3. überarb. u. erw. Aufl., München 1993.
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[GG]Gitta Günther: Weimar-Chronik. Stadtgeschichte in Daten. Dritte Folge: März 1850 bis April 1945 (Weimarer Schriften, Heft 33), Weimar 1987.
[GrüttnerGrüttner, Michael, Das Dritte Reich 1933-1945 (= Bd. 19, Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte), Stuttgart 2014.
[HildebrandHildebrand, Klaus, Das Dritte Reich, 7. Aufl., München 2010.
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[VU]Volker Ullrich: Die Revolution von 1918/19, München 2009.
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[WirschingWirsching, Andreas, Die Weimarer Republik. Politik und Gesellschaft, 2. erw. Aufl., München 2010.

(zusammengestellt von Dr. Jens Riederer und Christine Rost, bearbeitet von Stephan Zänker)

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